WCAG 3.3.4 Fehlervermeidung (rechtliche, finanzielle, Daten)
Aktualisiert am 14. Oktober 2026 · Lesezeit: 3 Min.
- Stufe
- AA · WCAG 2.0
- EN 301 549
- 9.3.3.4
- Was der Check prüft
- Manuelle Prüfung: Ein automatisches Tool kann dieses Kriterium nicht zuverlässig prüfen.
- Offizieller Text
- Understanding 3.3.4 Error Prevention (Legal, Financial, Data) (W3C, auf Englisch)
Das Erfolgskriterium 3.3.4 schützt Menschen vor teuren Fehlern, die sie nicht rückgängig machen können. Jemand mit einer Lesebeeinträchtigung vertauscht vielleicht Ziffern in einer Menge, jemand mit einer motorischen Einschränkung trifft den falschen Button, und ein Screenreader-Nutzer bemerkt womöglich nicht, dass die falsche Größe gewählt ist. Wenn das Ergebnis eine bezahlte Bestellung oder ein gelöschtes Konto ist, sind die Folgen real. Es gehört zur Konformitätsstufe AA und steht in EN 301 549 als Abschnitt 9.3.3.4. Das BFSG verweist über die harmonisierte Norm EN 301 549 auf diese Anforderungen.
Was das Erfolgskriterium verlangt
Das Kriterium gilt für Webseiten, die:
- für den Nutzer rechtliche Verpflichtungen oder Finanztransaktionen auslösen (eine Bestellung aufgeben, einen Vertrag annehmen, bezahlen);
- vom Nutzer steuerbare Daten in Datenspeichersystemen ändern oder löschen (Kontodaten, Adressen, gespeicherte Daten);
- oder Antworten des Nutzers in Tests übermitteln.
Für diese Seiten muss mindestens eines der folgenden zutreffen:
- Umkehrbar: Die Übermittlung lässt sich rückgängig machen, zum Beispiel innerhalb einer angegebenen Frist stornieren.
- Geprüft: Die eingegebenen Daten werden auf Eingabefehler geprüft, und der Nutzer erhält die Gelegenheit, sie zu korrigieren.
- Bestätigt: Es gibt einen Mechanismus, die Angaben vor dem endgültigen Absenden zu prüfen, zu bestätigen und zu korrigieren.
Das Kriterium zielt auf schwerwiegende Fehler. Es verlangt keine Bestätigung bei jedem Speichern oder jeder Bearbeitung.
Typische Fehler in Onlineshops
Jeder dieser Punkte ist nur dann ein Verstoß, wenn keine der drei Möglichkeiten angeboten wird — zum Beispiel, wenn sich die Bestellung auch nicht stornieren lässt:
- „Jetzt kaufen“- oder 1-Klick-Buttons, die sofort eine bezahlte Bestellung aufgeben, ohne Prüfschritt und ohne Stornomöglichkeit;
- ein Checkout, dessen letzter Schritt vor der Zahlung Artikel, Mengen, Adresse und Gesamtbetrag nicht zeigt;
- eine Bestellübersicht, die sich nicht bearbeiten lässt — Nutzer müssen von vorn beginnen, um eine Adresse zu ändern;
- „Konto löschen“ oder „Alle gespeicherten Adressen entfernen“, das sofort ausgeführt wird, ohne Bestätigung oder Rückgängigmachen;
- eine Abo-Anmeldung, die zu wiederkehrenden Zahlungen verpflichtet, ohne vor der Bestätigung die Bedingungen zu zeigen.
So prüfen Sie es
Automatisch: Unser Checker hat für dieses Kriterium keine Regel. Er gibt keine Bestellungen auf und löscht keine Daten, deshalb ist eine manuelle Prüfung nötig.
Manuell: Gehen Sie den Kaufprozess mit einem Testprodukt durch und halten Sie vor dem Bezahlen an. Prüfen Sie, ob Sie vor dem letzten Button alles sehen und ändern können — Artikel, Menge, Lieferadresse, Versandart, Gesamtbetrag. Prüfen Sie dann den Kontobereich: Löschen Sie eine Adresse oder das Konto und schauen Sie, ob es eine Bestätigung, eine Prüfung oder ein Rückgängigmachen gibt. Notieren Sie die nach einer Bestellung angebotenen Stornomöglichkeiten.
So beheben Sie es
- Ergänzen Sie einen Prüfschritt oder lassen Sie den letzten Checkout-Schritt alle Bestelldetails mit „Bearbeiten“-Links zeigen.
- Verwenden Sie einen eindeutigen letzten Button wie „Zahlungspflichtig bestellen“, getrennt von „Weiter“.
- Bitten Sie vor dem Löschen von Konten oder Daten um Bestätigung oder bieten Sie eine Wiederherstellung an.
- Validieren Sie Eingaben (Adresse, Karte, Menge) und lassen Sie Nutzer sie korrigieren, bevor die Bestellung aufgegeben wird.
Verwandte Kriterien
- 3.3.1 Fehlererkennung — Fehler werden als Text gekennzeichnet.
- 3.3.3 Fehlerempfehlung — Nutzer erfahren, wie sie Fehler beheben.
- 3.3.7 Redundante Eingabe — Nutzer sollen Daten im selben Prozess nicht erneut eintippen müssen.
Häufige Fragen
Braucht jeder Checkout eine Übersichtsseite?
Nein. 3.3.4 verlangt mindestens eine von drei Möglichkeiten: Die Übermittlung ist umkehrbar, die Daten werden geprüft und der Nutzer kann sie korrigieren, oder es gibt eine Möglichkeit, vor dem Abschluss zu prüfen und zu bestätigen. Ein Prüfschritt ist ein üblicher Weg.
Gilt 3.3.4 für das Löschen eines Kontos oder einer Adresse?
Ja. Seiten, die vom Nutzer steuerbare Daten in Datenspeichersystemen ändern oder löschen, sind erfasst; das Löschen eines Kontos, einer gespeicherten Adresse oder eines Wunschzettels sollte also umkehrbar, geprüft oder bestätigt sein.
Verlangt 3.3.4 einen Bestätigungsdialog für jedes Speichern?
Nein. Das W3C erklärt, dass es darum geht, schwerwiegende, schwer umkehrbare Fehler wie massenhaften Datenverlust zu verhindern, nicht darum, jede Bearbeitung zu bestätigen.