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Pandus

Overlays und Widgets: warum sie eine Website nicht barrierefrei machen

Ein Barrierefreiheits-Overlay ist ein Skript, das eine Bedienleiste über Ihre Website legt – mit Schriftvergrößerung, Kontrastmodus oder Vorlesefunktion. Es ändert aber nicht den Quellcode, in dem die meisten Barrieren stecken. Deshalb ersetzt ein Overlay keine Behebung der Fehler, und es ersetzt auch keine Barrierefreiheitserklärung.

Was ein Overlay tut

Overlays werden mit einer Zeile JavaScript eingebunden. Sie bieten Besuchern Einstellungen an und versuchen teilweise, fehlende Attribute per Skript nachzutragen. Das klingt bequem. In der Praxis haben Menschen, die auf Hilfsmittel angewiesen sind, ihre Einstellungen meist bereits im Betriebssystem, im Browser oder im Screenreader eingerichtet. Eine zusätzliche Leiste auf jeder Website hilft ihnen wenig und kann mit ihren Hilfsmitteln kollidieren.

Was ein Overlay nicht kann

  • Fehlende Formularbeschriftungen zuverlässig ergänzen. Ein Skript kann raten, welches Feld die Postleitzahl ist – sicher wissen kann es das nicht.
  • Sinnvolle Alternativtexte schreiben. Automatisch erzeugte Bildbeschreibungen erklären selten, warum ein Bild auf der Seite ist.
  • Bedienabläufe reparieren. Wenn sich ein Menü, ein Filter oder die Kasse nicht per Tastatur bedienen lässt, liegt das an der Programmierung.
  • Die Überschriftenstruktur und Reihenfolge der Inhalte korrigieren.
  • Ihnen die Pflichten abnehmen. Die Informationen nach § 14 BFSG beschreiben Ihre Dienstleistung; ein Widget ändert daran nichts.

Was Behörden und Gerichte dazu sagen

In den USA ist die Handelsbehörde FTC gegen den Overlay-Anbieter accessiBe vorgegangen. Mit der abschließenden Entscheidung vom 22. April 2025 musste das Unternehmen eine Million US-Dollar zahlen und darf nicht mehr behaupten, sein automatisiertes Produkt könne Websites mit WCAG in Einklang bringen. Quelle: Federal Trade Commission.

Außerdem werden in den USA regelmäßig Klagen wegen mangelnder Barrierefreiheit gegen Websites erhoben, die ein Overlay einsetzen; der Jahresbericht 2025 des Anbieters UsableNet zählt zwischen 85 und 132 solcher Klagen pro Monat. Ein Overlay schützt also offenbar nicht vor rechtlichen Auseinandersetzungen.

Was Sie stattdessen tun können

  1. Fehler finden. Eine automatisierte Prüfung nach WCAG 2.2 AA zeigt die technisch erkennbaren Probleme – mit Selektoren und Screenshots.
  2. Priorisieren. Kritische Probleme in Kasse und Formularen zuerst, Kosmetik später.
  3. Im Code beheben. Im Theme, in Templates, in Inhalten. Unsere Regelkarten beschreiben die Schritte für Shopify, WooCommerce, PrestaShop und Shoptet.
  4. Manuell ergänzen. Tastatur- und Screenreader-Tests decken auf, was die Automatik nicht sieht.
  5. Dranbleiben. Jede Woche erneut prüfen, damit Updates keine neuen Barrieren einführen.

Unsere Prüfung ist eine automatisierte Prüfung, kein vollständiges Audit, und keine Rechtsberatung. Sie ist ein ehrlicher Ausgangspunkt. Wie sie funktioniert, lesen Sie auf der Seite So funktioniert es. Eine ausführlichere Einordnung bietet unser Blogbeitrag Overlays sind keine Lösung, eine praktische Liste die WCAG-2.2-Checkliste.