WCAG 2.3.1 Grenzwert von dreimaligem Blitzen oder weniger
Aktualisiert am 14. Oktober 2026 · Lesezeit: 3 Min.
- Stufe
- A · WCAG 2.0
- EN 301 549
- 9.2.3.1
- Was der Check prüft
- Manuelle Prüfung: Ein automatisches Tool kann dieses Kriterium nicht zuverlässig prüfen.
- Offizieller Text
- Understanding 2.3.1 Three Flashes or Below Threshold (W3C, auf Englisch)
Das Erfolgskriterium 2.3.1 schützt Menschen mit fotosensitiven Anfallsleiden. Inhalte, die zu oft auf einer ausreichend großen Fläche blitzen, können einen Anfall auslösen — und dieser Schaden tritt sofort ein. Es gehört zur Konformitätsstufe A und ist Teil von EN 301 549 (Abschnitt 9.2.3.1). Das BFSG verweist über die harmonisierte Norm EN 301 549 auf diese Anforderungen.
Was das Erfolgskriterium verlangt
Webseiten dürfen nichts enthalten, das in einem beliebigen Zeitraum von einer Sekunde öfter als dreimal blitzt, es sei denn, das Blitzen liegt unter den Grenzwerten für allgemeine Blitze und rote Blitze.
Inhalte liegen unter dem Grenzwert, wenn entweder:
- es in jeder Sekunde höchstens drei allgemeine Blitze und/oder drei rote Blitze gibt; oder
- die gemeinsame Fläche gleichzeitig auftretender Blitze höchstens 0,006 Steradiant innerhalb eines beliebigen 10-Grad-Sichtfelds (25 % dieses Felds) bei üblichem Betrachtungsabstand beträgt.
Definitionen in den WCAG:
- ein allgemeiner Blitz ist ein Paar entgegengesetzter Änderungen der relativen Leuchtdichte um 10 % oder mehr des Maximums, wobei das dunklere Bild unter einer relativen Leuchtdichte von 0,80 liegt;
- ein roter Blitz ist ein Paar entgegengesetzter Übergänge mit einem gesättigten Rot.
Für übliche Bildschirme schlagen die WCAG als Größe dieser Fläche ein Rechteck von 341 × 256 Pixeln an beliebiger Stelle des Bildschirms vor, betrachtet bei 1024 × 768.
Typische Fehler in Onlineshops
- ein „Black Friday“- oder „Flash Sale“-Banner, das zwischen grellen Farben stroboskopartig wechselt;
- Produktvideos oder Markenclips mit Kamerablitzen, Gewittern oder schnellen Schnitten zwischen dunklen und hellen Szenen;
- animierte GIF-Badges („NEU!“, „SALE!“), die schnell zwischen Rot und Weiß blinken;
- ein bildschirmfüllendes Intro oder eine Ladeanimation mit Flackereffekten.
So prüfen Sie es
Automatisch: Für dieses Kriterium gibt es keine axe-core-Regel. Um Blitze zu messen, braucht es eine Videoanalyse Bild für Bild, die ein Seitenscan nicht leistet, deshalb ist eine manuelle Prüfung nötig.
Manuell: Listen Sie jedes Video, jedes GIF, jedes animierte Banner und jede CSS-Animation auf. Sehen Sie sich jedes davon an und zählen Sie schnelle Wechsel zwischen hell und dunkel oder hin zu gesättigtem Rot. Wechselt etwas öfter als dreimal pro Sekunde, messen Sie es mit einem speziellen Analysetool für fotosensitive Inhalte, etwa dem kostenlosen Photosensitive Epilepsy Analysis Tool (PEAT), oder entfernen Sie es.
So beheben Sie es
- Verwenden Sie gar keine Stroboskop- oder Flackereffekte; dafür gibt es selten einen geschäftlichen Grund.
- Verlangsamen Sie Animationen so, dass Hell-Dunkel-Wechsel höchstens dreimal pro Sekunde stattfinden.
- Halten Sie notwendiges Blitzen klein und vermeiden Sie gesättigtes Rot.
- Prüfen Sie Videos von Agenturen und Influencern, bevor Sie sie auf Produktseiten einbinden.
- Berücksichtigen Sie
prefers-reduced-motionfür Animationen allgemein (eine gute Praxis, aber kein Ersatz für die Blitz-Grenzwerte).
Verwandte Kriterien
- 2.2.2 Pausieren, beenden, ausblenden — bewegte und blinkende Inhalte müssen steuerbar sein.
- 1.4.3 Kontrast (Minimum) — wie die relative Leuchtdichte für den Textkontrast verwendet wird.
- WCAG-2.2-Checkliste — alle Kriterien der Stufen A und AA in einer Liste.
Häufige Fragen
Wie viele Blitze pro Sekunde erlauben die WCAG?
Höchstens drei Blitze in jedem beliebigen Zeitraum von einer Sekunde, es sei denn, das Blitzen liegt unter den Grenzwerten für allgemeine Blitze und rote Blitze, zum Beispiel weil die blitzende Fläche klein ist.
Was ist der Flächengrenzwert für Blitze?
Gleichzeitige Blitze dürfen zusammen höchstens 25 % eines beliebigen 10-Grad-Sichtfelds bei üblichem Betrachtungsabstand abdecken. Die WCAG geben eine praktische Orientierung: ein Rechteck von 341 × 256 Pixeln auf einem Bildschirm, der mit 1024 × 768 betrachtet wird.
Kann ein Pause-Button blitzende Inhalte entschärfen?
Nein. Ein Anfall kann eintreten, bevor der Nutzer ein Steuerelement erreicht, daher muss das Blitzen selbst innerhalb der Grenzen bleiben. Deshalb gilt 2.3.1 auch für alle Inhalte der Seite.